Geo-Grundkurs besucht Stadtbaurat von Fulda

Vom Vortrag in die Praxis:

Unterwegs mit dem Fuldaer Stadtbaurat durch Fulda

 

Ende Mai besuchte der Geographie-Grundkurs Q2 mit seiner Lehrerin Sabine Mielke den Stadtbaurat der Stadt Fulda, Daniel Schreiner, in seinem Büro im Fuldaer Stadtschoss.

Im Unterricht hatte sich der Kurs bereits über das gesamte Halbjahr hinweg mit dem Thema Stadtplanung in Deutschland und Europa beschäftigt. Die Exkursion bot nun die Gelegenheit, die theoretischen Inhalte aus dem Unterricht anhand praktischer Beispiele aus dem Nahraum kennenzulernen.

 

Zu Beginn erhielten die Schülerinnen und Schüler von Daniel Schreiner einen etwa eineinhalbstündigen Vortag. Darin erläuterte er die Aufgaben der Stadtplanung allgemein sowie die Entwicklung Fuldas von der mittelalterlichen Stadt bis zur heutigen Oberzentrumsfunktion. Außerdem erklärte er, welche Herausforderungen moderne Stadtentwicklung mit sich bringt und wie Planungsprozesse in der Praxis ablaufen.  Im Mittelpunkt standen Themen wie Infrastruktur, nachhaltige Mobilität, Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und die Schaffung attraktiver Wohn- und Lebensräume in den 24 verschiedenen Stadtteilen von Fulda. Hierbei wurde deutlich, wie unterschiedlichste Interessen bei Bau- und Entwicklungsprojekten berücksichtigt werden müssen, und dass Projekte häufig erst nach mehreren Jahren umgesetzt werden können.

 

Während des Vortrags wurde schnell klar, wie Daniel Herr Schreiner für seinen Beruf „brennt“ und wie ihm die positive Entwicklung Fuldas am Herzen liegt. Sein Vortrag war äußerst informativ, aber auch mitreißend zugleich. Mit aktuellen Debatten wie z.B. die Nutzung des „alten Gummiwerkareals“ sowie das Bahnhofsquartier, welches ins zehnjährige Städtebauförderprogramm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ aufgenommen wurde, schloss er in seinen Vortrag ein.

 

An den Vortrag reihte sich eine rund dreistündige Exkursion durch die Fuldaer Innenstadt einschließlich des neu erschlossenen Fulda-Aue-Bereichs an. Dabei konnten die Schülerinnen und Schüler zahlreiche Orte und Projekte kennenlernen, die zuvor im Vortrag thematisiert worden waren. Daniel Schreiner erläuterte dabei vor Ort städtebauliche Entwicklungen, aktuelle Planungen sowie die Herausforderungen, die sich beispielsweise durch Denkmalschutz, Flächenknappheit, Naturschutz, Klimaanpassung oder auch unzufriedene Bürgerinnen und Bürger sowie leidige Bauvorschriften ergeben.

 

Die Exkursion startete im Schlossgarten mit der neu gestalteten Kaisersaalterrasse, die nach historischen Plänen aus den Jahren 1804 bis 1806 neugestaltet wurde. Weitere Themen waren hier die Sanierung des Schlossturms, umfangreiche Kanalarbeiten unter der Terrasse und auf dem Schlossparkgelände und sogar überwinternde Fledermäuse im historischen Gewölbekanal. Dann ging es über das historische Gelände vorbei am barocken Dom und der Michaelskirche aus der Vorromanik (eine der ältesten erhaltenen Kirchen Deutschlands),  über die Langebrückenstraße mit einem Abstecher in ein dort neu saniertes Wohnquartier bis zur Brücke, die die Stadt in den kommenden Jahren vor große städtebauliche Herausforderungen stellt, da sie die Vorschriften für die derzeitige Verkehrsbelastung nicht mehr erfüllt, aber eine der wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt darstellt. Zudem wird das Radverkehrsnetz  an diesem Knotenpunkt die Städteplanung vor große Herausforderungen stellen.

 

Weiter ging die Exkursion entlang der Fulda-Aue, durch das sanierte Wohngebiet der „Tränke“, entlang dem „Wasserspielplatz, dessen Wasser übrigens jeden Tag hygienisch überprüft werden muss, bis hin zur Fahrradbrücke zum Stadtteil Neuenberg. Hier wurden uns viele Hintergrundinformationen zum Mobilitätskonzept Fuldas gegeben, wobei hier v.a. die Fahrradverbindung der südwestlichen Stadtteile Neuenberg und Sickels mit der Kernstadt im Mittelpunkt steht. Im Bereich der Fulda-Auen wurde deutlich sichtbar, wie die beiden Landesgartenschauen in Fulda (1994 und 2023) viele neue Erholungsräume geschaffen haben und die Stadt Fulda nachhaltig weiterentwickelt haben. Neben dem geologischen Garten und dem neuen Skaterpark bis hin zum Landesgartenschauareal mit dem Wir-Garten Fulda zwischen Neuenberg und der Fulda Galerie mit barrierefreien Zugängen.  Auch das Nachhaltigkeitsziel (SDG 10 – weniger Ungleichheiten in Städte und Gemeinden) wird sehr konsequent von der Stadt Fulda verfolgt. Dies sieht man vor allem an den Strukturwegen für Blinde in der gesamten Innenstadt und an den barrierefreien Bushaltestellen in allen Stadtteilen deutlich.

 

Weiter ging die Tour vorbei an der neu gestalteten Miniaturgolfanlage in der Nähe des Umweltzentrums, vorbei am Erholungsraum des Aueweihers bis hin zur „kleinen Insel“ an der Fulda, wo in Zukunft ein Campingplatz entstehen soll. Auf dem Rückweg ging es vorbei am neuen Rhönenergiegebäude durch die ehemaligen Gerberwohnquartiere außerhalb der Stadtmauern (heutige Kanalstraße) bis in die Innenstadt innerhalb der ehemaligen Stadtmauer, von der immer wieder Reste zu sehen waren. Über den Universitätsplatz mit all seinen Vor- und Nachteilen, die der Gruppe ausgiebig bezüglich der Extremwetterbedingung „Hitzewelle“ erläutert wurden, ging es zur letzten Station, dem „Alten jüdischen Friedhof“, der erst Anfang Juni neu eingeweiht wurde und den trostlosen ehemaligen Jerusalemplatz ersetzen soll. Der Stadtbaurat berichtete, dass nach rund neunjähriger Planung hier eine jüdische Gedenkstätte entstanden ist. Der Platz zwischen Rabanus- und Sturmiusstraße soll „kein Fleckchen verkümmerter Erde mehr sein“. Stattdessen ist er von großen, goldlackierten Buchstaben umzäunt, die den Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“ ergeben. Die Parkbänke auf der Fläche wurden entfernt und der Fokus der Besucherinnen und Besucher soll auf der ruhigen Wiesenfläche mit altem Baumbestand und der Gedenkstätte liegen.

 

Die Exkursion zeigte sehr anschaulich, wie komplex Stadtplanung ist und welchen Einfluss sie auf die Lebensqualität der Menschen einer Stadt hat. Der Geographiegrundkurs bedankt sich ganz herzlich bei Herrn Schreiner für die sehr interessanten Einblicke in die Stadtentwicklung Fuldas.

 

 

Marie Sorel und Sabine Mielke

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